Lappländischer Rentierhund
Ausdauernder, intelligenter und arbeitsfreudiger nordischer Hütehund aus Finnland, der traditionell zum Hüten großer Rentierherden eingesetzt wurde. Der Lappländische Rentierhund ist wendig, belastbar und kooperativ, zugleich aber eigenständig genug, um unter schwierigen Bedingungen selbstständig zu arbeiten. Er eignet sich besonders für aktive Menschen, die ihm viel Bewegung und anspruchsvolle Beschäftigung bieten können.
Auf einen Blick
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Weitere Eigenschaften
Charakter & Wesen
Der Lappländische Rentierhund ist intelligent, ruhig, arbeitsfreudig und aufmerksam.
Zu seinen Menschen entwickelt er meist eine enge Bindung, ohne dabei übermäßig abhängig zu wirken.
Bei der Arbeit zeigt er große Ausdauer und Konzentrationsfähigkeit.
Seine Eigenständigkeit ist deutlich ausgeprägt. Ein Rentierhund musste über große Distanzen arbeiten und konnte nicht für jede Entscheidung auf eine Anweisung seines Menschen warten.
Gegenüber fremden Menschen zeigt er sich häufig freundlich bis zunächst etwas reserviert.
Aggressives oder ausgesprochen ängstliches Verhalten entspricht nicht dem gewünschten Wesen.
Haltung & Auslastung
Der Lappländische Rentierhund besitzt einen hohen Bewegungsbedarf.
Er wurde für stundenlange Arbeit in weitläufiger Landschaft gezüchtet und verfügt entsprechend über beträchtliche Ausdauer.
Lange Wanderungen, Trekking und gemeinsame Outdoor-Aktivitäten passen hervorragend zu ihm.
Geeignete Beschäftigungsformen sind Mantrailing, Fährtenarbeit, Obedience, Rally Obedience, Canicross, Nasenarbeit, Treibball und Hütearbeit.
Besonders wichtig ist eine Kombination aus körperlicher Bewegung und geistigen Aufgaben.
Seine Belastbarkeit sollte jedoch nicht dazu verleiten, den Hund permanent körperlich auszupowern. Auch Ruhe und Entspannung müssen Bestandteil des Alltags sein.
Erziehung & Training
Der Lappländische Rentierhund ist lernfähig und kooperativ.
Positive Verstärkung und abwechslungsreiches Training funktionieren normalerweise sehr gut.
Seine Eigenständigkeit bedeutet allerdings, dass er Aufgaben durchaus hinterfragen kann.
Eine ruhige, konsequente und faire Führung ist deshalb sinnvoll.
Besondere Aufmerksamkeit verdient seine Bellfreude.
Bei der Arbeit an Rentierherden wurde die Stimme gezielt eingesetzt. Bellen gehört somit zu seinem traditionellen Arbeitsverhalten.
Im modernen Alltag sollte früh trainiert werden, wann Melden erwünscht ist und wann Ruhe erwartet wird.
Ein zuverlässiger Rückruf und gute Impulskontrolle sind ebenfalls wichtig.
Fell & Pflege
Gesundheit
Der Lappländische Rentierhund gilt grundsätzlich als robuste und funktional gebaute Rasse.
Dennoch können verschiedene erblich beeinflusste Erkrankungen auftreten.
Dazu gehört insbesondere die Hüftgelenksdysplasie (HD).
Auch verschiedene Augenerkrankungen werden beobachtet, weshalb regelmäßige Augenuntersuchungen in der Zucht sinnvoll sind.
Progressive Retinaatrophie (PRA) und erbliche Katarakte gehören zu den möglichen ophthalmologischen Problemen.
Auch Degenerative Myelopathie (DM) wird bei nordischen Hunderassen beziehungsweise entsprechenden Zuchtlinien berücksichtigt.
Aufgrund der vergleichsweise kleinen Population sind genetische Vielfalt und verantwortungsvolle Zuchtplanung von besonderer Bedeutung.
Herkunft & Geschichte
Der Lappländische Rentierhund besitzt seine Wurzeln im hohen Norden Skandinaviens.
Hunde dieses Typs wurden von den Samen (Sámi) über Jahrhunderte bei der Arbeit mit Rentieren eingesetzt.
Mit der Entwicklung der Rentierhaltung wurden zuverlässige Hunde benötigt, die große Herden über enorme Flächen kontrollieren konnten.
Sie mussten extreme Kälte, Schnee und lange Arbeitstage bewältigen.
Ursprünglich wurden unterschiedliche lappländische Arbeitshunde nicht nach modernen Rassestandards getrennt.
Im 20. Jahrhundert begann die systematische Erfassung und Standardisierung.
Dabei entwickelten sich schließlich zwei eigenständige finnische Rassen: der langhaarigere Finnische Lapphund und der funktional stärker auf die Rentierarbeit ausgerichtete Lappländische Rentierhund.
Besonderheiten
Die finnische Bezeichnung lautet Lapinporokoira.
Der Name beschreibt seine Aufgabe erstaunlich präzise:
Lapin = Lappland
poro = Rentier
koira = Hund
Sinngemäß bedeutet Lapinporokoira also schlicht „Lappländischer Rentierhund“.
Im Vergleich zum gerade angelegten Finnischen Lapphund wirkt der Lapinporokoira deutlich weniger üppig behaart und insgesamt athletischer.
Das ist kein Zufall.
Bei der Zucht stand traditionell die Arbeitsleistung an Rentierherden im Vordergrund.
Eine weitere Besonderheit ist seine Arbeitsweise. Rentiere bewegen sich über große Gebiete und können erheblich schneller und unberechenbarer reagieren als beispielsweise Schafe.
Der Hund muss deshalb weiträumig arbeiten, schnell auf Richtungsänderungen reagieren und gleichzeitig genügend Abstand zur Herde halten.
Dabei wird auch seine Stimme eingesetzt.
Die starke Bellbereitschaft vieler Lapinporokoira ist daher kein zufälliges Spitzmerkmal, sondern Teil einer jahrhundertelang erwünschten Arbeitsstrategie.
Der Zweite Weltkrieg stellte für die nordischen Arbeitshundpopulationen einen erheblichen Einschnitt dar. Nach dem Krieg wurden verbliebene Hunde systematisch erfasst und die Zucht wieder aufgebaut.
Bis heute ist der Lappländische Rentierhund außerhalb Skandinaviens vergleichsweise selten und wesentlich weniger bekannt als der Finnische Lapphund.
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