Pyrenäenberghund
DOG ROYAL HUNDERASSEN

Pyrenäenberghund

Imposanter, ruhiger und selbstständiger Herdenschutzhund aus den Pyrenäen mit dichtem weißem Fell. Der Pyrenäenberghund wurde über Jahrhunderte zum eigenständigen Schutz von Herden vor Raubtieren eingesetzt. Er ist loyal, wachsam und souverän, besitzt aber einen ausgeprägten Schutztrieb und starken eigenen Willen. Deshalb eignet er sich vor allem für erfahrene Halter mit ausreichend Platz und Verständnis für Herdenschutzhunde.

Auf einen Blick

Ursprungsland (FCI) Frankreich
FCI-Gruppe FCI-Gruppe 2 – Pinscher und Schnauzer – Molosser – Schweizer Sennenhunde
FCI-Standard Nr. 137
Lebenserwartung 10–12 Jahre
Größe 65–80 cm
Gewicht 36–60 kg
Größenklasse Sehr groß über 70 cm
Alternative Rassenamen Pyrenäenberghund; Chien de Montagne des Pyrénées; Great Pyrenees; Pyrenean Mountain Dog; Patou

Passt diese Rasse zu mir?

Aktivitätslevel Mittel
Bewegungsbedarf Mittel
Trainierbarkeit Mittel
Für Anfänger geeignet Nein
Familiengeeignet Bedingt
Kinderfreundlichkeit Hoch
Wohnungseignung Gering
Alleinbleiben Mittel
Verträglichkeit mit Hunden Mittel
Jagdtrieb Gering
Bellneigung Sehr hoch
Pflegeaufwand Hoch

Weitere Eigenschaften

Energielevel Mittel
Schutztrieb Sehr hoch
Fremdenfreundlichkeit Gering
Sabberneigung Mittel
Hitzeverträglichkeit Gering
Kälteverträglichkeit Sehr hoch

Charakter & Wesen

Der Pyrenäenberghund ist ruhig, selbstbewusst, mutig und ausgesprochen eigenständig.

Seine Persönlichkeit ist unmittelbar mit seiner ursprünglichen Aufgabe verbunden: Er musste Herden auch ohne permanente menschliche Anleitung bewachen und selbst entscheiden, ob eine Situation gefährlich war.

Zu seiner Familie kann er eine sehr enge und loyale Bindung entwickeln.

Gegenüber fremden Menschen zeigt er sich häufig reserviert und aufmerksam.

Sein Schutzinstinkt ist ausgeprägt. Grundstück, Familie und andere Tiere seines sozialen Verbandes können von ihm als schützenswert betrachtet werden.

Dabei sollte ein gut sozialisierter Pyrenäenberghund souverän und nicht grundlos aggressiv sein.

Haltung & Auslastung

Der Pyrenäenberghund benötigt ausreichend Platz und eine Umgebung, die seinem Wesen gerecht wird.

Ein großes und sicher eingezäuntes Grundstück ist für die Haltung ausgesprochen hilfreich.

Er besitzt nicht den Bewegungsdrang eines Border Collies oder Australian Kelpies, benötigt aber tägliche längere Spaziergänge und die Möglichkeit, seine Umgebung zu erkunden.

Wanderungen und ruhige Outdoor-Aktivitäten passen gut zu ihm.

Klassische Hundesportarten mit ständigen Wiederholungen entsprechen seinem Charakter dagegen häufig weniger.

Besonders wichtig ist eine sinnvolle Aufgabe. Herdenschutzhunde wurden nicht für permanente Beschäftigung gezüchtet, sondern dafür, aufmerksam zu beobachten und bei Bedarf selbstständig zu handeln.

Erziehung & Training

Der Pyrenäenberghund ist intelligent – aber seine Intelligenz äußert sich anders als bei vielen klassischen Gebrauchshunden.

Er versteht eine Aufgabe häufig sehr schnell. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass er sie bei der zehnten Wiederholung noch sinnvoll findet.

Seine Erziehung erfordert Geduld, Konsequenz, Vertrauen und realistische Erwartungen.

Positive Verstärkung und klare Grenzen sind besonders wichtig.

Eine umfassende frühe Sozialisation ist unverzichtbar. Der junge Hund sollte Menschen, andere Tiere und unterschiedliche Alltagssituationen kennenlernen.

Leinenführigkeit muss früh trainiert werden. Ein ausgewachsener Pyrenäenberghund besitzt enorme körperliche Kraft.

Besondere Aufmerksamkeit verdient außerdem sein Wachverhalten. Herdenschutzhunde arbeiten traditionell auch nachts, weshalb nächtliches Bellen keineswegs ungewöhnlich ist.

Fell & Pflege

Felllänge Lang
Fellstruktur Dicht
Unterwolle Stark
Haaren Sehr stark
Fellfarben Weiß, Grau, Orange
Allergiker-Eignung Eher gering

Gesundheit

Wie bei vielen sehr großen Hunderassen können beim Pyrenäenberghund verschiedene Erkrankungen des Bewegungsapparates auftreten.

Dazu gehören insbesondere Hüftgelenksdysplasie (HD) und Ellenbogendysplasie (ED).

Auch Patellaluxation kann vorkommen.

Verschiedene Augenerkrankungen sowie Herzprobleme werden ebenfalls innerhalb der Rasse beobachtet.

Aufgrund seines tiefen Brustkorbs besteht außerdem ein Risiko für eine Magendrehung (GDV).

Bei sehr großen Hunden ist während des Wachstums eine ausgewogene Ernährung besonders wichtig. Zu schnelles Wachstum und Übergewicht können den Bewegungsapparat zusätzlich belasten.

Herkunft & Geschichte

Der Pyrenäenberghund gehört zu den traditionsreichen Herdenschutzhunden Europas.

Seine Geschichte ist eng mit den Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien verbunden.

Dort wurden große weiße Hunde über Jahrhunderte eingesetzt, um Schafherden gegen Wölfe, Bären und andere Bedrohungen zu verteidigen.

Die helle Fellfarbe hatte dabei einen praktischen Vorteil: Schäfer konnten ihre Hunde auch auf größere Entfernung leichter von dunkleren Raubtieren unterscheiden.

Neben seiner Arbeit bei den Herden wurde der Pyrenäenberghund später auch als Wachhund auf Burgen und größeren Anwesen eingesetzt.

Im 17. Jahrhundert gewann er schließlich sogar am französischen Königshof an Popularität.

Besonderheiten

Ein besonders charakteristisches Merkmal des Pyrenäenberghundes befindet sich an seinen Hinterläufen:

Der Rassestandard verlangt doppelte Afterkrallen an beiden Hinterläufen.

Damit teilt er dieses auffällige Merkmal beispielsweise mit dem Beauceron.

Historisch interessant ist auch seine Verbindung zum französischen Königshaus.

Der Pyrenäenberghund wurde im 17. Jahrhundert am Hof von Ludwig XIV. populär und wird in historischen Darstellungen teilweise als eine Art königlicher Hund Frankreichs beschrieben.

International kennt man die Rasse unter verschiedenen Namen. Im englischsprachigen Raum heißt sie vor allem Great Pyrenees, während die französische Bezeichnung Chien de Montagne des Pyrénées lautet.

Eine weitere Besonderheit ist seine traditionelle Arbeitsweise.

Anders als ein Hütehund bewegt der Pyrenäenberghund die Herde nicht. Er lebt möglichst selbstverständlich zwischen beziehungsweise bei den Nutztieren und betrachtet sie als seinen sozialen Verband.

Nähert sich eine mögliche Bedrohung, versucht er sie zunächst häufig durch Präsenz, territoriales Verhalten und kräftiges Bellen auf Abstand zu halten.

Erst wenn dies nicht genügt, kann er körperlich eingreifen.

Diese jahrhundertelange Selektion erklärt viele Eigenschaften, die in einem modernen Wohngebiet anspruchsvoll werden können: territoriales Verhalten, selbstständige Entscheidungen und insbesondere nächtliches Bellen sind keine „Fehler“, sondern Bestandteile seines ursprünglichen Arbeitsprofils.

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